An Pfingsten haben wir den Aufbruch der Kirche gefeiert. Der Heilige Geist macht aus einer geschlossenen Clique eine weltoffene Bekenntnisgemeinschaft.
Fünfzig Tage haben wir Ostern gefeiert. Fünfzig Tage lang haben wir die Geschichten der Erscheinung des Auferstandenen bei seinen Jüngern gehört und bedacht. Fünfzig Tage lang haben wir die österlichen Lieder gesungen. Sieben Wochen und einen Tag nehmen wir uns Zeit, die Botschaft in uns einzulassen, damit sie uns in unserem Inneren, in unserem Herzen berührt, dass es nicht nur die Schwerkraft des Todes und der Vergeblichkeit und Vergänglichkeit gibt, sondern uns nichts und niemand trennen kann von der Liebe Gottes.
Eine Handvoll yogaseliger Damen mittleren Alters sitzt im Schneidersitz. Pastelltöne überall, eine linde Prise weht, mildes Licht fällt von der Seite herein.
Am Ende des Lukasevangelium führt der Auferstandene seine Jünger hinaus nach Bethanien.
Der Dichter Rainer Maria Rilke schreibt in einem Brief: „Es ist in mir eine am Ende doch ganz unbeschreibliche Art und Leidenschaft, Gott zu erleben …
Nach dem Abendmahl und der Fußwaschung, trägt Jesus seinen Jüngern in der Abschiedsrede das Gebot der Liebe auf. An der Liebe sollen die Menschen die Jünger Jesu erkennen. Die Liebe wird zum Identitätsmerkmal und zur Grundhaltung Jünger.
Thomas glaubte, weil er gesehen hat. Aber was ist mit denen, die nichts Vergleichbares gesehen haben, wie er, das ihnen eine Gewissheit im Glauben schenken könnte? Ihnen gilt die letzte aller Seligpreisungen: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“
Wir feiern Ostern in Zeiten der Verunsicherung. Noch hängt in diesen Feiertagen die Attentate von Brüssel in unseren Gedanken – und auch all die Veränderungen der Gegenwart. Und jede und jeder trägt auch seine je persönlichen Sorgen und Fragen mit sich.
Immer stehen wir vor dem Kreuz. Auch heute. Betroffen, verwundert, beschämt. Und fragen uns vielleicht, wie wir den Tod Jesu am Kreuz verstehen können?
„Christ sein heißt, miteinander essen“. Der Theologe Franz Musner, eben hundertjährig gestorben, hat diese Kurzformel für das Christsein geprägt. Ich würde sie gerne ergänzen. „Christ sein heißt, miteinander essen und aufbrechen“.